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eine Definition
Negativabgrenzung
Logo des Instituts

 

 

 

Was ist Angewandtes Nichtwissen?

   

Angewandtes Nichtwissen ist

der Umgang mit nicht-objektivierbaren,
aber dennoch nicht beliebigen Begriffen.

Etwas ist ein Gegenstand des Nichtwissens, wenn man leichter sagen kann, was es nicht ist, als genau beschreiben, was es ist - das verbirgt sich hinter der Beschreibung nicht-objektivierbar, aber dennoch nicht beliebig. Angewandtes Nichtwissen bezeichnet dann den Umgang mit solchen nur unscharf umrissenen Gegenständen.

Zwei einfache Beispiele hierzu:
 
 

  • Es ist unmöglich, den Begriff der Gerechtigkeit exakt zu definieren. Es ist dagegen viel einfacher zu beschreiben, welche Situationen offensichtlich ungerecht sind. Gerechtigkeit ist somit ein Gegenstand des Nichtwissens. Von einem guten Richter erwarten wir, dass er in einem Prozess ein gerechtes Urteil fällt. Wir sind nicht damit zufrieden, dass sein Urteil nicht ungerecht ausfällt, sondern erhoffen mehr: Gerechtigkeit. Ein Richter steht somit prinzipiell vor dem Problem, seine Urteile auf der Grundlage einer nur recht unscharfen Vorstellung von Gerechtigkeit zu sprechen. Er ist damit in einer Situation Angewandten Nichtwissens. Die meisten abstrakten Begriffe (wie etwa "gut", "Kunst", "Liebe", "sozialverträglich" usw.) fallen in die Kategorie der ungewussten Begriffe. Legt man seinem Handeln oder Denken solche Begriffe zugrunde, so wendet man - in unserem Sinne - Nichtwissen an.

  • In vielen Kochrezepten finden sich Formulierungen wie: "Mit Salz abschmecken." oder: "Mit Pfeffer und Paprika würzen." In diesen Anweisungen ist die genaue Menge der beizugebenden Gewürze nicht genau angegeben; sie ist offensichtlich "Geschmacksache". Solange man nach einem lange bewährten Rezept und nur für sich selbst kocht, ist das auch kein allzu großes Problem: Den eigenen Geschmack kennt man halbwegs, und aus Erfahrung weiß man, wieviel an Gewürzen das Gericht verträgt. Sobald man aber nach einem neuen Rezept oder für Gäste kocht, werden Angaben wie die obigen plötzlich problematisch. Die richtige Würze ist dann ein Gegenstand des Nichtwissens: Sie ist nicht objektiv definiert (sonst könnte man ja etwa die erforderliche Menge an Salz in Gramm messen und im Rezept exakt angeben), aber dennoch keineswegs beliebig (spätestens sobald sich kein Salz mehr in der Suppe auflöst, ahnt man einen "Würzfehler"). Die Entscheidung, welche Menge an Gewürzen einem Gericht beizugeben ist, ist somit ein alltägliches Beispiel für Angewandtes Nichtwissen.

Das Institut für Angewandtes Nichtwissen beschäftigt sich mit der Analyse von alltäglichen und grundsätzlichen Problemen des Nichtwissens. Wir sammeln Beispiele, untersuchen sie auf ihre gemeinsamen Strukturen und versuchen, Strategien für den Umgang mit Nichtwissen aufzuzeigen und zu entwickeln.
 

Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Anregungen zu unserem Verständnis von angewandtem Nichtwissen. Schicken Sie uns doch einfach eine e-mail.


   
   

Eine Negativabgrenzung

Obwohl das Institut bereit ist, auch weitgreifendere Interpretationen des Begriffs Angewandtes Nichtwissen zu akzeptieren, besteht Einigkeit darüber, bestimmte Situationen auszuklammern. Wer sich bewusst relevanten Tatsachen verschließt, kann kein Nichtwissen vorschützen. Unwissenheit, also ein Mangel an Kenntnissen, lässt sich höchstens dann unter den Begriff des Nichtwissens subsumieren, wenn man sich im Klaren über diesen Mangel ist. Ignoranz, also Unwissenheit aus Borniertheit, spielt für unsere Arbeit so gut wie keine Rolle. Dagegen kann der absichtliche Verzicht auf Informationen durchaus eine sinnvolle Strategie sein, Probleme zu lösen; wer einen guten Wein genießen will, ist gezwungen einen entsprechenden Kauf zu tätigen, selbst bei Unkenntnis sämtlicher Angebote in der Umgebung. Im Volksmund wird gesagt "Glauben heißt nicht wissen", doch wer einer inneren Gewissheit folgt, die von Beweisen unabhängig ist, der kann nicht für sich reklamieren, mit Angewandtem Nichtwissen umzugehen.


Logo des Instituts

Das Logo des Instituts für Angewandtes Nichtwissen besteht aus zwei Komponenten. Zum einen symbolisiert es die Unmöglichkeit der Quadratur des Kreises. Zum anderen enthält es den Begriff ignoramus et ignorabimus [lat. "wir wissen es nicht, und wir werden es nicht wissen"]. Dieses Geflügelte Wort stammt aus der Ignorabimus-Rede "Über die Grenzen des Naturerkennens" des Berliner Physiologen Emil Du Bois-Reymond (1818-1896). Das "Ignorabimus" bezog Du Bois-Reymond ausdrücklich auf das Rätsel der Herkunft von Materie und Bewusstsein. Dennoch hat sich die Redensart für den Hinweis auf die prinzipielle Unlösbarkeit der großen Geheimnisse der Welt eingebürgert.


   
   
 

 

 

 
 
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   letzte Aktualisierung: 18. April 2003

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