Institut für Angewandtes Nichtwissen e.V.


 

Das

2. Kolloquium zum Angewandten Nichtwissen

fand am 15.07.2000 in Bad Marienberg statt.

 

Programm

(Die Manuskripte der Referate sind auf Anfrage erhältlich)

10.00 - 10.10 Uhr Begrüßung und Allerlei
10.10 - 11.00 Uhr Session I

Michael Gail: Kommunikation und Hintergrund - Wieso verstehen wir uns überhaupt?

11.00 - 11.20 Uhr Pause
11.20 - 13.00 Uhr Session II

Rudolf Lüthe: Angewandtes Nichtwissen und ironistische Kulturphilosophie

Andreas Wagener: Wer weiß, wovon er redet, sagt nichts - und wer etwas sagt, weiß nicht, wovon er redet

13.00 - 14.30 Uhr Mittagspause
14.30 - 16.10 Uhr Session III

Bernd Roland Elsner: Namen und Angewandtes Nichtwissen

Hagen Bobzin: Dem Zufall auf der Spur

16.10 - 16.30 Uhr Pause
16.30 - 17.20 Uhr Session IV

Claudia Althaus: Geschichte vom Mythos - Geschichte als Mythos

Stand: 2. Juli 2000

Abstracts der Referate

Michael Gail

Kommunikation und Hintergrund - Wieso verstehen wir uns überhaupt?

Im Alltagsleben hört man häufig schon mal die Frauen über ihre Männer schimpfen: "Du verstehst mich überhaupt nicht!" Ohne auf die spezifischen Schwierigkeiten der Verständigung zwischen Mann und Frau einzugehen, wird in diesem Beitrag der Versuch unternommen zu erklären, warum Menschen sich eigentlich mittels Sprache austauschen können. Anhand von amüsanten Beispielen wird zunächst aufgezeigt, daß im Grunde eine völlige Explizitheit einer Aussage nicht erreichbar ist. Dennoch verstehen wir meist den Sinn oder den Gehalt des Gesagten. Unter Rückgriff auf die Theorie des Philosophen John Searle kann man über die These vom Hintergrund eine befriedigende Erklärung dieses Phänomens leisten. Kommunikation und Verstehen kann als Angewandtes Nichtwissen verstanden werden.

 

Rudolf Lüthe

Angewandtes Nichtwissen und ironistische Kulturphilosophie

Abstract liegt noch nicht vor

 

Andreas Wagener

Wer weiß, wovon er redet, sagt nichts - und wer etwas sagt, weiß nicht, wovon er redet

Die Unvollständigkeitstheoreme des Kurt Gödel stellen unser Denken (über unser Denken) in vielfacher Weise vor Herausforderungen, von denen einige unmittelbaren Bezug zum Angewandten Nichtwissen haben:

(1) Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Wahrheit einer Aussage und ihrer Beweisbarkeit. (2) In jedem (in zu präzisierendem Sinne) halbwegs komplexen gedanklichen System existieren Aussagen, von denen man nicht nachweisen kann, ob sie richtig oder falsch sind. In diesem Sinne wissen wir nie, was wir wirklich wissen. (3) In keinem gedanklichen System ist es möglich, alle Wahrheiten, die das System enthält, tatsächlich aufzufinden. In diesem Sinne wissen wir immer weniger als wir wissen könnten. (4) Aus der Kombination von (2) und (3) folgt die Überschrift, die eine unauflösbare Diskrepanz zwischen den Ausdrucksmöglichkeiten und den Deduktionsmöglichkeiten gedanklicher Systeme postuliert. (5) Die Konsequenz heißt: Angewandtes Nichtwissen.

 

 

Bernd Roland Elsner

Namen und Angewandtes Nicht-Wissen

"Was ist ein Name? Was uns Rose heißt,

Wie es auch hieße, würde lieblich duften."

Shakespeare, Romeo und Julia, II, 2 (Julia).

Wenn wir auch nicht wüssten, was es ist, wir wüssten doch seinen Namen oder wir würden ihm zunächst einen geben. Und so können Dinge existent werden, die gar nicht existieren oder von denen wir nicht wissen, ob sie existieren; die wir womöglich überhaupt nicht konkret beschreiben, vielmehr nur umschreiben können. Kann man denn an Dingen zweifeln, die sogar einen Namen haben? Kann ich an einem Ideal wie dem der Gerechtigkeit zweifeln, wenn man dem sogar einen Namen geben kann?

Erfassen wir Nicht-Wissen nicht immer unter einem Namen? Wie helfen uns Namen, mit dem Nicht-Wissen umzugehen? Helfen uns Namen überhaupt dabei? Ist es nicht wunderbar, dass man sich über Gerechtigkeit streiten kann, obwohl man vieles darunter verstehen kann und man dem Gesprächspartner, ohne den Namen der Dinge zu nennen, eigentlich überhaupt nicht verständlich machen könnte, über was man redet?

Ist es aber nicht so, dass uns Namen häufig auch vorgaukeln, dass wir von etwas bestimmten oder etwas bestimmbarem reden. Ist Name nicht doch Schall und Rauch, "umnebelnd Himmelsglut." Wie Faust es bei Goethe sagt. "Nenns Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür!" Gefühl sei alles, sagt er. Auch wenn Faust der Magarete hier wohl ausweichen will, hilft uns der Name, wenn es um den Kern der Dinge geht? Ist er nicht doch nur Platzhalter für etwas anderes, dem wir ausweichen, dass wir auch gar nicht sagen könnten, selbst wenn wir es wollten?

Dazu muss zunächst bestimmt werden, was Namen sind und wie sie wirken. Und dann lasst uns weiter schauen, ob uns das beim Umgang mit dem Nicht-Wissen weiterhilft!

 

Hagen Bobzin

Dem Zufall auf der Spur

Der Beitrag enthält zwei Aspekte und deren Verbindung. Auf der einen Seite steht die Kybernetik, die die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten von Kontrollprozessen und von Kommunikation in komplizierten Systemen untersucht. Hier stellt sich die Frage, wie groß die Informationsmenge ist, die aus der Beobachtung einer solchen black box gezogen werden kann. Selbstverständlich wird die Regelung komplizierter Prozesse um so eher möglich sein, je erfolgreicher der Informationsmangel abgebaut werden kann. Auf der anderen Seite steht der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, der wie folgt interpretiert werden kann: In einem abgeschlossenen System läuft jeder irreversible Prozess derart ab, dass die Systementropie dabei ansteigt, das heißt, das System geht in einen Zustand größerer Wahrscheinlichkeit über. Man beachte, dass die Thermodynamik viele Fragen nicht beantworten kann: Warum erfolgt die Wärmeübertragung vom warmen zum kalten Körper, während eine spontane Wärmeübertragung in umgekehrte Richtung unmöglich ist? Warum dehnt sich Gas im Vakuum aus, verdichtet sich jedoch nicht von alleine? ...

Zwischen der Entropie und der Informationsmenge, die eine Systemstruktur beinhaltet, besteht der folgende Zusammenhang: Mit dem Übergang eines Systems von einem weniger geordneten in einen mehr geordneten Zustand nimmt die Entropie zu, während die Informationsmenge sinkt. Anders gesagt, je wahrscheinlicher der Makrozustand eines Systems ist, desto weniger Informationen lassen sich über den Mikrozustand des Systems herausfinden. Aus der Sicht des Angewandten Nichtwissens kann es sehr hilfreich sein, Mikrozustände zu ignorieren und wenigstens die Makrozustände des betrachteten Systems zu steuern.

 

Claudia Althaus

Geschichte vom Mythos - Geschichte als Mythos

Abstract liegt noch nicht vor.

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